Wochenanzeiger vom 20.04.2017:

Damit niemand „nebenbei verstirbt"

Hospizdienst und Treuchtlinger Pflegeheim kooperieren — Der Landkreis ist palliativ noch unterversorgt


TREUCHTLINGEN‑
Das Treuchtlinger Alten- und Pflegeheim kooperiert künftig mit dem Ambulanten Hospizdienst Altmühlfranken. Die Zusammenarbeit soll die Palliativversor­gung und Sterbebeglei­tung in der Altmühlstadt deutlich verbessern. Was das bedeutet, erklärten die Beteiligten bei der Unterzeichnung des Ver­trags.

„Ich würde oft gern mehr machen, habe im Heimalltag aber zu viele andere Pflichten", sagt Schwester Margit Völk­lein. Das führe dazu, dass immer wieder Be­wohner „ganz nebenbei versterben". Unschön, aber kein Einzelfall - nicht nur in Treuchtlingen. „Hos­piz-Fachkräfte werden von den Krankenkassen nicht bezahlt", erklärt Heimleiter Andreas Langhammer. Eine eigene Palliativstation müsse laut Gesetz eine Region mit mindestens 230 000 Einwoh­nern abdecken. Deshalb blei­be Altmühlfranken und dem Treuchtlinger Heim nur das Ehrenamt.

Hier kommt der Ambulan­te Hospizdienst ins Spiel. Liegt künftig ein Bewohner absehbar oder akut im Ster­ben, können Pfleger und Angehörige die ehrenamtli­chen, vom Hospizverein Gun­zenhausen geschulten Beglei­ter einschalten. Sie besuchen den Sterbenden, sprechen mit ihm, hören zu oder halten einfach nur die Hand - auch mehrfach über längere Zeit. Das Pflegeheim fungiert im Gegenzug als Praktikumsstät­te für neue Begleiter.

Bindeglied zwischen Eh­renamt und Pflegepersonal ist in Treuchtlingen Margit Völklein. Sie hat sich zur „Palliativ-Care-Fach­kraft" weitergebildet und berät ihre Kolle­gen. Diese müssen kei­ne Angst haben, dass ihnen etwas „wegge­nommen" wird, son­dern sollen vielmehr entlastet werden. „Das Thema Hospiz muss gerade in Pflegeheimen großgeschrieben wer­den", betont Heimchef Langhammer. „Die Pal­liativbegleitung hat bei uns eine lange Traditi­on, die Kooperation mit ausgebildeten Ster­bebegleitern ist aber eine neue Dimension." Sie schließe eine Lü­cke, vor allem was den Zeitaufwand angeht. „So weiß ich auch wenn ich nicht im Zim­mer sein kann, dass der Bewohner gut versorgt ist", veranschaulicht die stellver­tretende Pflegedienstleiterin Petra Hüttner.

„Wir sind froh, dass sich im Landkreis etwas tut", bestätigt Hospizdienst-Koor­dinatorin Sandra Meyer. Vor­aussichtlich werde es hier bald auch eine „Spezialisier­te Ambulante Palliativversor­gung" geben, die sich um Schwerstkranke und Sterben­de sowohl zuhause als auch in stationären Einrichtungen kümmert. Die Kooperation mit dem Hospizdienst will das Rote Kreuz als Träger laut Martin Fickert auch im neuen Treuchtlinger Seniorenzentrum fortsetzen, das demnächst gegenüber der Therme entsteht. Es ist der bislang vierte Vertrag die­ser Art. Weitere Partner sind die evangelische Kranken-und Altenpflege Gunzenhau­sen, das Caritas-Wohnheim in Weißenburg und der Seniorenhof in Pleinfeld.       psh



Im Beisein von Vertretern des Pflegedienstes, des Heimbeirats, des Roten Kreuzes und des Hospizdienstes unterzeichneten die zweite Hospizvereins­Vorsitzende Renate Müller und Heimleiter Andreas Langhammer den Kooperationsvertrag. Foto:Shaw