Altmühlbote vom 28.11.2018:

Für kleine Dinge dankbar sein

Regionalbischöfin Bornowski hielt Festrede im Lutherhaus

GUNZENHAUSEN — Der Hospiz- und Palliativbewegung aus christlicher Sicht nahm sich die Regionalbischöfin des Kirchenkreises Ansbach, Gisela Bornowski, an. Sie hielt die Festrede zum Jubiläum des Honspizvereins im Lutherhaus Gunzenhausen

„Den Umgang mit dem Tod haben wir als Gesellschaft verlernt", sagt die 56-jährige Theologin. Das Ideal sei der gesunde, fitte und schöne Mensch, da passe es nicht, „von der Hinfälligkeit und Endlichkeit" zu sprechen. Bornowski erinnerte an die urchristlichen Werte, die in der Bibel als „Die sechs Werke der Barmherzigkeit" ihren Platz haben. Ein siebtes Werk kam in der christlichen Tradition hinzu: Tote zu bestatten.

Damit war sie bei der Hospizbewegung, die sich in der Nachfolge Jesu sieht. Sie fühle sich angesprochen von der Aufforderung Jesu: „Was ihr meinen geringsten Brüdern und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan". Es sei eine christliche Grundhaltung, einander zu unterstützen, Anteil zu nehmen und Empathie zu üben. Für die Bischöfin ist klar, wo die Reise hingeht: in Gottes Reich, ohne Schmerzen, ohne Not, ohne Tränen und Tod. ,Das zu bezeugen, ist christliche Hospizarbeit."

Sie warb dafür, Sterben, Tod und Trauer in das Leben zu integrieren und nicht fortwährend zu tabuisieren. Damit, so ihre Schlussfolgerung, „dient Hospizarbeit dem Leben, weil sie Abschied und Trauer ernst nimmt und ermöglicht".

Nichts aufschieben

 Bornowski ermunterte die Zuhörer, nichts unnötig auf morgen zu verschieben, wie einen Brief zu schreiben, ein Gespräch zu führen, sich zu versöhnen oder den Menschen, die man liebt, das auch zu sagen und zu zeigen. Letztlich komme es nämlich darauf an, für die kleinen Dinge des Alltags dankbar zu sein und jeden Tag zu einem unwiederbringlichen Geschenk zu machen.

Ein Geschenk für diesen Festabend war auch die Musik von „Custom Projekt & Dolo". Ashonte „Dolo" Lee als Sänger, Toby Mayerl am Flügel und Frank Holderied am Schlagzeug unterhielten zur Freude vieler mit Songs von Leonhard Cohen, Beyance und Joe Cocker. Gert Sommerfeld als begleitender Pfarrer des Hospizvereins sprach einen irischen Segensgruß, bevor die Gäste sich am Büfett bedienten und noch lange miteinander sprachen.    

krü