Altmühlbote vom 28.11.2018:

„Wichtige und unverzichtbare Anlaufstelle“

Hospizverein im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen feierte 20-jähriges Bestehen — Tod als Tabuthema

  GUNZENHAUSEN — Sie haben es sich seit 20 Jahren auf ihre Fahnen geschrieben: schwerkranke Menschen bis zum Tod zu begleiten, Angehörige mit eingeschlossen. Und diese oft darüber hinaus, wenn der Vater, die Mutter oder auch das Kind nicht mehr da ist. Jetzt beging der Hospizverein im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen im Lutherhaus sein Jubiläum und viele Stadträte, Bürgermeister, Pfarrer, Ärzte, Banker, Angehörige und solche, die wissen wollen, was ein Hospizverein so alles macht, ließen sich gerne bitten. Der große Saal war gut gefüllt und gab einen würdigen Rahmen.

 Wer sich dem Thema Sterben, Tod und Trauer nähert, bewegt sich auf sehr dünnem Eis. Keiner redet gerne darüber, es zählt zu den großen Tabus unserer Gesellschaft. Der Glaube und Sexualität sind trotz aller Aufgeklärtheit auch solche Fragebereiche. Ganz praktisch drückte dies Bürgermeister Karl-Heinz Fitz in seinem Grußwort aus: „Ich komme gerade von der Eröffnung der Eisbahn, lauter fröhliche und beschwingte Menschen um mich herum“, sagte er. Da sei kein Gedanke an die, deren Kräfte schwinden und in Kürze sterben werden. Und doch treibt es die Menschen um, so wie damals am 30. März 1998 in Gunzenhausen, wie sich der Vorsitzende des Hospizvereins, Martin Albrecht, erinnert. 18 Männer und Frauen gründeten in der Leibnizstraße 2 c einen gemeinnützigen Verein, um Schwerstkranken und Sterbenden in der letzten Phase würdevolle Lebenstage zu ermöglichen.

Hehre Ziele, die nie aus den Augen gelassen wurden. Sie orientieren sich an den Worten von Cicely Saunders, einer englischen Krankenschwester und Ärztin, die 1967 als Begründerin der modernen Hospizbewegung und Palliativmedizin gilt: „Du zählst, weil du bist. Und du wirst bis zum letzten Augenblick deines Lebens eine Bedeutung haben.“

 Dankbar für gute Entwicklung

 Sechs Gründungsmitglieder waren am Jubiläumsabend anwesend: Inge Holderied, Herbert Riehl, Otto Unfried, Roswitha Minnameyer, Dr. Hartmut Stark und Erich Wolf heißen sie und stehen als Garanten dieser wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe. Konkret ging es um die Hospiz- und Palliativversorgung im gesamten Landkreis. Dazu zählen der Palliativmedizinische Dienst im Klinikum Altmühlfranken, der Ambulante Hospizdienst Altmühlfranken, die landkreisübergreifende Gründung des Hospiz- und Palliativ-Versorgungsnetzwerks und die Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung Südfranken (SAPV) im Landkreis. „Diese Entwicklung erfüllt mich mit Stolz, Freude aber vor allem Dankbarkeit“, sagt Albrecht.
Ohne die 35 ehrenamtlichen Helfer wäre der Verein nicht in der Lage, den vielen Anfragen und Bitten um Begleitung nachzukommen. „Ihr seid das Herz unserer Arbeit, ihr seid unser Aushängeschild“, rief Albrecht ihnen zu und ein langanhaltender Beifall des Publikums war die Antwort. Und was machen sie genau? Sie hören zu, führen Gespräche, lesen vor, trösten, helfen, die letzten Dinge zu regeln, und unterstützen, wo es gewünscht wird, die Familien schwerstkranker Menschen, zählt der Vorsitzende auf. Der Verein mit seinen derzeit 139 Mitgliedern bietet alle Leistungen kostenlos an, betonte Albrecht. Er finanziert sich ausschließlich durch Beiträge und Spenden.
Als „wichtige und unverzichtbare Anlaufstelle von schwerkranken Menschen“ bezeichnete Landratsstellvertreter Robert Westphal den Hospizverein. Nicht jeder Sterbende benötigt eine Unterstützung, sagte er, aber die, die sie leisten „verdienen unseren größten Respekt und Anerkennung“. Es ist gut, dass es eine solche Institution gibt, hob Bürgermeister Fitz hervor und lobte den lokalen Verein, der seit einem Jahr eine landkreisweite Einrichtung ist. Es sind die Leistungen, die im verborgenen geschehen, betonte das Stadtoberhaupt und ermunterte die Helfer, diesen eingeschlagenen Weg weiterzugehen. „Wir brauchen Menschen wie Sie!“
Der frisch wiedergewählte Landtagsabgeordnete Manuel Westphal ist erst einmal froh, dass überhaupt über das Thema Tod und Sterben öffentlich gesprochen wird: „Es soll ein Stück Normalität sein.“ Dabei komme es darauf an, „die Würde bis zum Schluss beizubehalten“. Deshalb dankte er besonders den Helfenden für deren Dienst an der Gesellschaft.

 „Anspruchsvolle Aufgabe“

 Als langjährige Sprecherin der Selbsthilfegruppen in Mittelfranken gratulierte Bezirkstagsvizepräsidentin Christa Naaß dem Verein zum 20-jährigen Bestehen. Über 120000 Menschen engagieren sich derzeit bundesweit in der Hospizbewegung „und stoßen dabei neue Türen auf“. In der letzten Lebensphase für einen Menschen da zu sein, „ist mehr als eine anspruchsvolle Aufgabe“, so die Politikerin. Die Festrede zum Jubiläum hielt Regionalbischöfin Gisela Bornowski (siehe eigenen Bericht).

 REINHARD KRÜGER

 


Sie tragen Verantwortung im Hospizverein und waren für den gelungenen Festabend verantwortlich: Hospizkoordinatorin Sandra Meyer, Vorsitzender Martin Albrecht, Regionalbischöfin Gisela Bornowski, Gründungsmitglied Inge Holderied, der erste Vorsitzende in der Gründungsversammlung 1998, Herbert Riehl, und Gert Sommerfeld, begleitender Pfarrer des Vereins (von links).