Altmühlbote vom 23.09.2015:

Hospiz- und Palliativversorgungsnetzwerk gegründet

GUNZENHAUSEN - Menschen mit unheilbaren Krankheiten sollen künftig in den Landkreisen Weißenburg-Gunzenhausen und Roth besser versorgt werden. Dazu wurde nun ein Hospiz - und Palliativversorgungsnetzwerk gegründet. Schwerpunkt wird es zunächst sein, Schulungen für Mediziner und Pflegekräfte anzubieten. Ziel ist letztlich aber auch die Installation eines SAPV-Teams (Spezialisierte ambulante Palliativ-versorgung).

Damit könnten Patienten, die bislang stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen, auch zu Hause im vollen Umfang betreut werden. Ein solches Angebot existiert bislang nur in größeren Städten, in ländlichen Regionen gibt es so etwas kaum.

Der Raum Gunzenhausen wird noch von Ansbach abgedeckt, doch in Weißenburg und Umgebung ist es diesbezüglich zappenduster. Zwar steht die Gründung eines SAPV-Teams ausdrücklich auf der Liste der Ziele des Netzwerks, die Verantwortlichen legen aber großen Wert darauf, dass diese spezielle Versorgung nur einen kleinen Teil derer betrifft, die das neue Netzwerk auffangen will. "Wir reden hier von vielleicht zehn Prozent der Menschen", erklärte Dr. Erich Rösch, Geschäftsführer des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbandes. Das Netzwerk bilde somit mit einer Palliativ-Care den Unterbau für die SAPV, erklärte Martin Albrecht vom Hospizverein Gunzenhausen.

Es geht bei der Palliativ-Care um die körperliche, psychische, spirituelle und soziale Begleitung Schwerstkranker, Sterbender und deren Angehörigen. Ihnen soll der Weg erleichtert werden. Und dazu ist letztlich jedes Mittel recht. Medikamente können hier ebenso helfen wie eine Schulter zum Ausweinen oder eine oft belächelte Klangschalentherapie. Motto: Gut ist, was nützt. „Unser Bestreben ist es, dass es den Patienten besser geht und sie länger zu Hause bleiben können", sagte Chefarzt Dr. Christian Maune, der den Palliativmedizinischen Dienst in Weißenburg leitet und als Leiter des Palliativ-Arbeitskreises in der Gesundheitsregion Plus das Netzwerk maßgeblich mit angeschoben hat.

20 Hospizhelfer aus Gunzenhausen

Doch den Hausärzten oder den Mitarbeitern des Pflegedienstes fehlt für manche Maßnahme schlicht die Zeit. Deshalb sind ehrenamtlich arbeitende Hospizvereine aus den beiden Landkreisen mit im Boot. Der Hospizverein Gunzenhausen suggeriert zwar mit seinem Namen, er sei nur für den nordwestlichen Landkreis zuständig, er ist aber tatsächlich mit seinen 20 Hospizhelfern in ganz Altmühlfranken im Einsatz.

Ins Netzwerk integriert werden sollen zudem Hausärzte, Pflegedienste, Seniorenheime, Apotheken, Sanitätshäuser, Physiotherapeuten und sonst alle, die Schwerstkranken auf  dem letzten Weg zur Seite stehen. Idealerweise haben alle Partner einen Überblick über das gesamte Angebot. Denn letztlich, so Roths Landrat Herbert Eckstein, geht es bei dem neuen Netzwerk um die Frage: „Wo findet man als Betroffener oder als Angehöriger Hilfe?"

Die Angebote gibt es weitgehend bereits, doch oft fehlt das Wissen darüber, was der andere tut. „Wir wollen keine Parallelstrukturen aufbauen", betonte Chefarzt Maune bei der Unterzeichnung des Netzwerkvertrags im Gesundheitszentrum in Roth. Vielmehr gelte es, die Kommunikation zu verbessern, so Erich Rösch - damit der Hausarzt eben auch den Kontakt zum Hospizverein herstellt. Oder der Pflegedienst spricht sich mit der Apotheke ab, damit diese ein bestimmtes Schmerzmittel vorrätig hält.

Um Mediziner und Pflegekräfte auf die speziellen Anforderungen vorzubereiten, will das Netzwerk gezielt Schulungen anbieten. Denn es erfordert natürlich ein ganz anderes Denken, wenn die Behandlung nicht mehr auf Heilung, sondern auf Linderung ausgerichtet ist. „Da muss man als Arzt auch mal eine mögliche Behandlung sein lassen", sagte ein Mediziner im Vieraugengespräch.

Eine Umfrage bei den Hausärzten habe sehr großes Interesse für entsprechende Fortbildungen gezeigt, bekräftigten Dr. Stephan Barthel, Chefarzt der Rother Palliativstation, und Jürgen Winter, Vorstand des Klinikums Altmühlfranken. Und auch aus den Reihen der Pflegekräfte gebe es Nachfrage nach solchen Angeboten, sind die Netzwerk-Macher überzeugt. Doch bislang würden die Schulungen zentral in bestimmten Zentren angeboten, was es für viele Beschäftigte schwierig mache.

Logo als Qualitätssiegel

Denkbar sei, dass das Netzwerk sein Logo vergibt, wenn Einrichtungen bestimmte Standards in Sachen Fortbildung vorweisen können. Dann wäre das eine Art Qualitätssiegel auf kleiner Ebene. Der Patient und seine Angehörigen wüssten: Bei diesem Arzt, bei diesem Pflegedienst, in diesem Heim bin ich mit meiner Erkrankung gut aufgehoben.

Christa Neef ist Netzwerkmoderatorin und wird als solche die Koordination übernehmen. Sie ist erst vor wenigen Wochen als langjährige Pflegedienstleitung am Krankenhaus in Gunzenhausen in den Ruhestand verabschiedet worden. Die Strukturen in Weißenburg-Gunzenhausen kennt sie gut, jene in Roth eignet sie sich derzeit an. Ihr Job ist für drei Jahre angelegt.

Am Ende werde der Erfolg des Netzwerks nur schwer messbar sein, gab Landrat Eckstein zu bedenken. „Aber wenn es nur für vier oder fünf Menschen eine Verbesserung bedeutet, hat es sich aus meiner Sicht schon gelohnt."

Der Themenkomplex Sterben und Tod stehe bei Gesprächen im Freundeskreis „nicht an erster Stelle", stellte Landrat Gerhard Wägemann fest. Er sei deshalb froh, dass es gelungen sei, das Thema über die Regionale Gesundheitskonferenz in den Fokus zu rücken. Nach dem Start des Palliativmedizinischen Dienstes vor einem Jahr an der Kreisklinik in Weißenburg sei mit dem Netzwerk nun ein weiterer wichtiger Meilenstein erreicht. Geschäftsführer Rösch zeigte sich erfreut, dass die Politik die Thematik unterstütze und sie so auf eine andere Ebene hebe. „Wenn ein Landrat sich dafür einsetzt, dass in seinem Landkreis genauso gut gestorben wie gelebt werden kann, ist das für alle etwas Gutes."

ROBERT MAURER