Altmühlbote vom 23.02.2016:

Neues Angebot des Hospiz-Vereins Gunzenhausen

Ambulanter Dienst im gesamten Landkreis und offene Sprechstunden

GUNZENHAUSEN - Tod und Sterben – ein Thema, das nach wie vor mit einem Tabu belegt ist. Und doch wird früher oder später jeder Mensch damit konfrontiert, hat Fragen zu dieser letzten Station des Lebens, wünscht sich Hilfe und Begleitung. Das ist naturgemäß das Aufgabenfeld des Hospiz-Vereins Gunzenhausen, der seit einigen Wochen ein neues Angebot unter seiner Trägerschaft vorhält: den ambulanten Hospizdienst Altmühlfranken.


Doris Holz und Sandra Meyer (von rechts) sind die Koordinatorinnen des neuen ambulanten Hospizdiensts Altmühlfranken unter der Trägerschaft des Hospiz-Vereins Gunzenhausen, vertreten durch den Vorsitzenden Martin Albrecht und seine Stellvertreterin Renate Müller. © Tina Ellinger


Der Name wurde mit Bedacht gewählt, bezieht sich dieses kostenlose Angebot auf die Bürger des gesamten Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen, erklärt Vereinsvorsitzender Martin Albrecht. Zusammen mit seiner Stellvertreterin Renate Müller sowie Sandra Meyer und Doris Holz stellte er den ambulanten Hospizdienst der Öffentlichkeit vor. Die beiden Letztgenannten konnte der Verein als hauptamtliche Koordinatorinnen für das Projekt gewinnen, die sich dafür vorläufig eine halbe Stelle teilen. Bisher waren sie für den Hospiz-Verein ehrenamtlich tätig, aber „das war so nicht mehr zu machen“, erläutern sie.

„Der Bedarf ist da“, weiß auch Martin Albrecht, der zudem von einer steigenden Nachfrage durch die gesetzliche Neuregelung der Sterbehilfe im vergangenen Jahr ausgeht. Schon 2015 leistete der Verein 30 Begleitungen, wobei alle 17 ehrenamtlichen Helfer landkreisweit im Einsatz waren.

Für den ambulanten Dienst haben sich Sandra Meyer und Doris Holz neben ihrem Beruf als Krankenschwester eineinhalb Jahre lang qualifiziert, haben eine Palliativ-Care-Ausbildung und eine Koordinatoren-Ausbildung absolviert. Auch eine Führungskompetenzschulung gehörte dazu, um die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den ambulanten Hospizdienst erfüllen zu können. Neben diesen fachlichen Voraussetzungen ist ein Stamm von mindestens 15 Ehrenamtlichen notwendig, die ebenfalls Schulungen durchlaufen.

Sie begleiten Schwerstkranke und Sterbende auf ihrem letzten Weg, daheim, im Krankenhaus, im Seniorenheim oder auf der Palliativstation. Sie lesen vor, hören zu, schaffen Raum für Gespräche und bieten den Angehörigen Entlastung. Erste Ansprechpartner sind die zwei Koordinatorinnen. Sie beraten Betroffene und Angehörige und suchen aus der Gruppe der Ehrenamtlichen die geeignete Person für die Begleitung aus, beschreiben Doris Holz und Sandra Meyer ihre Aufgabe. Und auch danach werden die Angehörigen mit ihrer Trauer nicht alleine gelassen. „Wir leisten Trauerbegleitung und vermitteln außerdem spezielle Trauerangebote im Landkreis.“

Um den Landkreis gut abdecken zu können, wurden bewusst zwei Koordinatorinnen ausgewählt: Sandra Meyer aus Störzelbach kümmert sich verstärkt um Gunzenhausen und den Heidenheimer Raum. Doris Holz, Theilenhofen, ist überwiegend für das Gebiet Weißenburg und Treuchtlingen zuständig. Zu ihrer Tätigkeit gehört es, stationäre Einrichtungen sowie Alten- und Krankenpflegeschulen über das Angebot des Hospiz-Vereins zu informieren, den Hospiz- und Palliativgedanken an die Mitarbeiter weiterzugeben und damit nicht nur weitere Leute für das Ehrenamt zu gewinnen, sondern auch „ein Tabu zu durchbrechen“, wie es Sandra Meyer formuliert. „Das ist ein gesellschaftliches Problem, an dem wir arbeiten müssen.“ Das soll nicht zuletzt über öffentliche Veranstaltungen gelingen, wie der Karikaturenausstellung in der Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen. Die Vernissage dazu findet am Dienstag, 1. März um 18 Uhr in der Schalterhalle der Hauptstelle in Weißenburg statt. Bis 24. März sind die Werke dort und ein zweiter Teil auch in der Hauptstelle in Gunzenhausen zu betrachten.

Am Donnerstag, 17. März steht ein Vortrag mit Rechtsanwalt Wolfgang Putz in Kooperation mit der KEB Weißenburg-Gunzenhausen zum Thema „Patientenrecht am Lebensende – Für Krankheit und Sterben vorsorgen“ auf dem Programm. Dieser beginnt um 19.30 Uhr im katholischen Pfarrheim in Treuchtlingen. Darüber hinaus sind Besuche auf Messen und Gesundheitstagen geplant.

Ganz neu bieten die Koordinatorinnen Sprechzeiten an: Im Klinikum Altmühlfranken Weißenburg ist Doris Holz ab sofort jeden Dienstag von 14.30 bis 16 Uhr im zweiten Stock, Zimmer 4060, zu finden. Sandra Meyer steht jeden Mittwoch im Pflegezentrum der Evangelischen Kranken-und Altenpflege in der Leibnizstraße in Gunzenhausen von 9.30 bis 11 Uhr für Fragen zur Verfügung. Zudem gibt es unter Telefon 09831/ 619161 eine 24-Stunden-Bereitschaft. Per Mail ist der Verein ebenfalls zu erreichen: kontakt@hospizverein-gunzenhausen.de.

Auf Landkreisebene

Der ambulante Hospizdienst Altmühlfranken hat sich bereits mit Kooperationspartnern vernetzt, und zwar mit dem Ambulanten Palliativteam (SAPV) Ansbach, dem Hospiz- und Palliativnetzwerk Südfranken und dem Palliativmedizinischen Dienst in Weißenburg. Martin Albrecht ist froh, dass sein Verein es geschafft hat, dieses Angebot auf die Beine zu stellen, mit dem Ziel, es im ganzen Landkreis zu etablieren. Sein Dank gilt allen voran den Mitgliedern, die mit ihren Beiträgen zur Finanzierung beitragen, sowie einer ganzen Reihe von Sponsoren für all ihre kleinen und großen Spenden. Dadurch konnten beispielsweise die Schulungen für die Ehrenamtlichen bezahlt werden, und die sind schließlich die tragenden Säulen dieses neuen Angebots. 

TINA ELLINGER