Altmühlbote vom 11.11.2017:

Hilfe für Schwerstkranke im eigenen Zuhause

Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) stellt ihr Konzept vor  ̶  Versorgungslücke schließen


Sie stellten in Pleinfeld die Arbeit der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung vor: Pflegeleiterin Iris Löw, Agathe Meixner (Hospiz-Verein Hilpoltstein-Roth), Jürgen Winter (Klinik Altmühlfranken), SAPV-Leiter Dr. Christian Maune, Landrat Gerhard Wägemann, Werner Rupp (Kreisklinik Roth), Renate Müller, (Hospiz-Verein Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) und Herbert Eckstein (Landrat Roth).    
Foto: Robert Renner

 

PLEINFELD — „Es geht nicht darun, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben." Die bekannten Worte stammen von Cicely Saunders, einer der Begründerinnen der modernen Hospizbewegung und Palliativmedizin. Mit Freude hätte die bereits verstorbene englische Ärztin, Sozialarbeiterin und Krankenschwester wohl gesehen, was derzeit in Pleinfeld entsteht und jetzt öffentlich vorgestellt wurde: die Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) Südfranken.

 Sie ist seit Dezember 2016 als gemeinnützige Genossenschaft organisiert. Ihr Pflegeteam nimmt aller Voraussicht nach am 2. Januar 2018 die Arbeit auf. Menschen in den Landkreisen Weißenburg-Gunzenhausen und Roth, die an einer nicht heilbaren und weit fortgeschrittenen Erkrankung leiden, sollen dann zu Hause besser versorgt werden können. Dazu zählen Patienten mit einer schweren Tumorerkrankung ebenso wie Menschen im Endstadium einer Erkrankung des Herzens, der Atemwege oder des Nervensystems.

Ziel ist es, trotz der schwerwiegenden Krankheiten die Lebensqualität und die Selbstbestimmung von Palliativpatienten so weit wie möglich zu erhalten und zu verbessern. Belastende Symptome sollen gelindert werden, und mit Patienten und Angehörigen soll offen gesprochen werden - um sie zu beraten, zu stützen und zu entlasten. Ganz besonders wichtig ist wohl die Zusage, im Bedarfsfall jederzeit - also 24 Stunden an sieben Tag pro Woche - erreichbar zu sein.

Zum SAPV-Südfranken-Team gehören fünf Palliativ-Mediziner und acht speziell geschulte Palliativ-Care-Pflegekräfte. Die ärztliche Leitung hat Dr. Christian Maune vom Klinikum Altmühlfranken in Weißenburg. Als seine Stellvertreterin fungiert Dr. Charlotte Metzdorf von der Palliativstation an der Kreisklinik Roth. Projektleiterin ist Dr. Nadja Amler.

Den Genossenschaftsvorstand bilden Werner Rupp und Jürgen Winter, die beiden Klinikvorstände aus Roth und Weißenburg. Die Pflegeleitung übernimmt Iris Löw, ihre Stellvertreterin wird Ulrike Haarmann sein, beide erfahrene Kräfte der Palliativstation in Roth. „Die gute Seele des Büros" (Maune) der Genossenschaft am Nordring 2a in Pleinfeld ist Ellen Gschwendtner.

 

Abstimmung mit Hausarzt

Die Pflegekräfte der SAPV kommen künftig zu den schwerstkranken Menschen in deren häusliche Umgebung, um sie palliativmedizinisch und -pflegerisch zu versorgen. Aber auch in Senioren- und Pflegeheimen wird das Team aktiv sein.

Die Fachkräfte werden die Versorgung koordinieren und weitere Akteure einbeziehen, zum Beispiel Hospizvereine und Pflegedienste. Für jeden Patienten wird ein individueller Behandlungs- und Notfallplan erstellt. Wichtig: Alles geschieht in enger Abstimmung mit dem jeweiligen Hausarzt. Er ist es auch, der die Leistungen der SAPV dem Patienten verordnen muss.

Mit der SAPV Südfranken wird eine Versorgungslücke geschlossen, denn die Betreuung Schwerstkranker und Sterbender mit einem besonders hohen Versorgungsbedarf in der häuslichen Umgebung, ist in den beiden Landkreisen Weißenburg-Gunzenhausen und Roth bisher nur sehr eingeschränkt möglich.

Um eine eigene SAPV einrichten zu können, sind beide Kreise zu klein. Daher bot sich ein Zusammenschluss an, erläuterte Vorstand Winter. Der Weißenburg-Gunzenhäuser Landrat Gerhard Wägemann unterstrich dies mit einem Lob an die Adresse seines Rother Amtskollegen Herbert Eckstein: „Wir arbeiten eh immer gut zusammen und bei diesem Projekt noch besser."

Angebote gibt es bisher in beiden Landkreisen nur im stationären Bereich: die Palliativstation der Kreisklinik Roth und den Palliativmedizinischen Dienst am Klinikum in Weißenburg.. Doch viele Schwerstkranke möchten genau das, schilderte Wägemann: die letzte Lebensphase, so es der Gesundheitszustand zulässt, in der vertrauten Umgebung der eigenen vier Wände und mit Angehörigen oder guten Freunden verbringen.

„Die Menschen in den zwei Landkreisen werden von unserem Team profitieren", ist denn auch ärztlicher Leiter Malme überzeugt. Er schilderte, dass er nun, wo die SAPV Fahrt aufnehme, ”Freude, Stolz und Dankbarkeit" empfinde.

Man könne künftig „vieles anbieten, was sonst nur stationär möglich" sei, und das über die Nahtstellen zweier Landkreise und zweier Kliniken hinweg. Er dankte den Landräten, Klinikvorständen und Hospizvereinen für ihr Engagement zugunsten der SAPV. Christian Maune: „Die Hospizbewegung ist das Fundament der ganzen Sache."

 

Gründung vor einem Jahr

Gegründet wurde die Genossenschaft SAPV Südfranken vor knapp einem Jahr. Ihre Mitglieder sind das Klinikum Altmühlfranken und die Kreisklinik Roth sowie die Hospizvereine Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen und Hilpoltstein-Roth.

Gefördert wird das Projekt vom bayerischen Sozialministerium und der Paula Kubitschek-Vogel-Stiftung. Die gemeinnützige Genossenschaft freut sich auch über weitere finanzielle Unterstützung. Das Team werde zwar von den Krankenkassen bezahlt, sagte Maune, doch Spenden könne man immer gut gebrauchen, um sinnvolle Dinge finanzieren zu können, die die Krankenkassen nicht bezahlen.

Und auch das lässt sich mit einem Zitat der eingangs bereits erwähnten Cicely Saunders treffend untermauern: „Selbst da, wo wir nicht mehr heilen können, bleibt unendlich viel zu tun."     

ROBERT RENNER