Altmühlbote vom 05.03.2016:

Auszeichnung für Hospiz-Verein Gunzenhausen

CSU-Kreisverband würdigt Verdienste mit Ernst-Lechner-Preis

GUNZENHAUSEN - Es war ein überaus würdiger Rahmen für die erste Verleihung des Ernst-Lechner-Preises: Der Markgrafensaal im Haus des Gastes war bis auf den letzten Platz besetzt, als CSU-Kreisvorsitzender Manuel Westphal die Urkunde an Martin Albrecht als Vertreter des Hospiz-Vereins Gunzenhausen überreichte. Damit würdigte die Politik die wertvolle Arbeit der ehrenamtlichen Helfer, die im gesamten Landkreis im Einsatz sind.

 

Martin Albrecht vom Hospiz-Verein Gunzenhausen (Dritter von rechts) durfte den ersten Ernst-Lechner-Preis aus den Händen von CSU-Kreisvorsitzendem Manuel Westphal (Vierter von rechts) in Empfang nehmen. Zu den Gratulanten zählte neben weiteren Vertretern des Vereins und des Kreisverbands Anna-Elisabeth Lechner (Vierte von links). © Tina Ellinger


„Wir brauchen den Einsatz der Bürger“, brachte es Westphal auf den Punkt. Daher sei es angebracht, dafür einmal Danke zu sagen. Eine besonders große Bedeutung hatte das bürgerschaftliche Engagement für Ernst Lechner, den „Vater des Fränkischen Seenlands“ und CSU-Urgestein. Wie kaum ein anderer habe er sich für die Region eingesetzt und mit Mut und Kraft seine Vision von der Wasserüberleitung in die Tat umgesetzt. Doch das Seenland sei bei weitem nicht sein einziges Projekt gewesen. So nannte Westphal weitere Beispiele wie das Krankenhaus in Treuchtlingen, das Römermuseum in Weißenburg und den Hahnenkammsee.

„Kirchturmdenken war Ernst Lechner völlig fremd“, betonte der Kreisvorsitzende und bescheinigte dem 2013 verstorbenen CSU-Mann, stets den Menschen in den Mittelpunkt seines Handelns gestellt zu haben. „Deshalb haben wir den Preis nach ihm benannt“, erklärte Westphal und bedankte sich bei Ernst Lechners Familie, die dazu ihr Einverständnis gegeben hatte.

„Der erste Preisträger und der Namensgeber passen bestens zusammen.“ Davon zeigte sich Bürgermeister Karl-Heinz Fitz überzeugt, der dem Verein zu der Auszeichnung gratulierte und die Hoffnung äußerte, Vorbild für andere sein zu mögen. Wie früher Ernst Lechner seien auch die Vertreter des Hospiz-Vereins angenehme Ansprechpartner, die es verstehen, für Unterstützung zu werben und ein Bewusstsein für die Thematik Tod und Sterben zu schaffen.

Ein Thema, das meistens verdrängt werde, wie Vereinsvorsitzender Martin Albrecht aus Erfahrung weiß: „Niemand denkt gerne darüber nach, obwohl der Tod allgegenwärtig ist. Wir wollen nicht an die Vergänglichkeit unseres Lebens denken. Der Tod ist uns in unserer Gesellschaft fremd geworden.“ Vor 18 Jahren wurde diese Diskrepanz erkannt und der Verein aus der Taufe gehoben, wofür er den Gründungsmitgliedern Inge Holderied, Herbert Riehl und Erich Wolf einen Dank aussprach.

Seither werde dieser „Dienst von Menschen für Menschen“ geleistet. Die Hospiz-Helfer begleiten Schwerstkranke und Sterbende auf ihrem letzten Weg, sie hören zu, führen Gespräche, lesen vor und unterstützen auch die Angehörigen. „Sie tun das, was ein guter Freund auch tun würde“, erläuterte Albrecht. „Die ehrenamtlichen Helfer sind unser Aushängeschild, das Herz unserer Arbeit.“ Albrecht versäumte es an diesem Abend auch nicht, den Partnern und Familien der Ehrenamtlichen zu danken, da dieser Dienst ohne die Unterstützung von dieser Seite nicht möglich wäre.

Da der Bedarf und die Nachfrage nach Hilfe und Begleitung im Sterbeprozess stetig zunimmt, hat der Verein sein kostenloses Angebot um den ambulanten Hospizdienst Altmühlfranken erweitert (wir berichteten). Zwei Koordinatorinnen stehen als erste Ansprechpartnerinnen zur Verfügung, beraten Betroffene und Angehörige und vermitteln eine passende Begleitperson.

„Wir brauchen weitere Ehrenamtliche, sonst kommen wir an unsere Grenzen“, rührte Albrecht im Markgrafensaal die Werbetrommel für den Verein. Und er sicherte zu, das Thema Tod und Sterben weiterhin mit Vorträgen und Ausstellungen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Noch bis Donnerstag, 24. März ist dazu in den Hauptstellen der Raiffeisenbank in den Städten Gunzenhausen und Weißenburg die Karikaturenausstellung „Sie hat mir der Himmel geschickt“ zu sehen (ein Bericht dazu folgt).

Albrecht dankte dem Kreisverband für die Vergabe des Preises, der mit 500 Euro dotiert ist. Geld, das bei dem Verein, der sich ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert, eine gute Verwendung finden wird. Durch den Preis werde „uns das politische und soziale Wirken Ernst Lechners dauerhaft in Erinnerung bleiben“, so Albrecht.

Dass diese Auszeichnung nicht nur für den Preisträger eine Ehre ist, sondern auch für den Namensgeber, zeigte die großzügige Geste der Familie Lechner, die den Betrag am Ende verdoppelte. 

TINA ELLINGER